Energie sorgsam nutzen im ZAM

Wir vom Betreiberverein machen uns schon lange Gedanken, wie wir im ZAM möglichst sorgsam mit Energie (Heizung und Strom) umgehen können. Schließlich ist der ökologische und ökonomische Umgang mit Ressourcen ein wichtiges Anliegen vieler Mitglieder des Vereins.

Aus diesem Grund haben wir die sogenannte ZAM Energiegruppe gegründet. Hier planen und werken Mitglieder an Optimierungsmöglichkeiten für den Energieverbrauch. Diese lassen sich in 2 Themenbereiche aufteilen:

  1. Gebäudeinfrastruktur und -betrieb
  2. Nutzung des ZAM (Werkstätten, Projekte, Ausstellungen usw.)

Die Energiegruppe ahnte bereits gleich zu Beginn, dass dieses Thema etwas umfangreicher ausfallen würde 🙂
Daher entschlossen wir uns (ausnahmsweise) nicht gleich mit dem Werkeln zu beginnen, sondern erst den aktuellen Stand der kompletten Heiz- und Elektrikanlagen zu dokumentieren … Puhhh! Das ehemalige Greiner Gebäude hat schon viele Jahre und viele Umbauten hinter sich. Entsprechend vielfältig und verwirrend war der vorgefundene Zustand. Folgendes haben wir bereits gemacht:

  • Der aktuelle Gas- und Stromverbrauch wird nun regelmäßig protokolliert.
  • Der aktuelle Betriebszustand der Heizungsanlage, Leitungen, Heizkörper, Fussbodenheizung, Ventile, Mischer, Pumpen und Steuerungen wurde dokumentiert.
  • Der Zustand der Elektrik, Solaranlage, Steuerung und Notbeleuchtung wurden dokumentiert.
  • Defekte und Problemstellen wurden aufgezeichnet und priorisiert.
  • Alle Räume vom ZAM wurden auf Kältebrücken, Undichtigkeiten und fehlende Insolierungen untersucht und die Befunde dokumentiert.

Kurzfristig haben wir dann folgende Punkte erledigt:

  • Besichtigung und Wartung der Heizungsanlage durch eine Fachfirma
  • Reduzierung der Einschalt- und Vorlauftemperatur der Heizung
  • Abschaltung von vielen Klein-Verbrauchern, die derzeit nicht nötig sind
  • Austausch der Lichter durch LEDs überall dort wo es problemlos möglich ist
  • Energieberatung durch ESTW

Für die kommenden Monate haben wir uns einiges vorgenommen. Wir arbeiten derzeit an folgenden Punkten:

  • Planung wie eine maximale Reduzierung des Gas- und Elektrizitätsverbrauchs in den Wintermonaten möglich ist, ohne die Gebäudesubstanz zu schädigen (Stichwort Frostschutz)
  • Arbeitspakete und Unterprojekte aufstellen: Was können wir selbst machen (z.B. Community-Maker Projekt für eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung) und was muss eine Fachfirma erledigen

Im November werden wir noch machen:

  • Abdichtung / Trennung von Bereichen mit Molton
  • Optimierung der Heizungssteuerung für den Winterbetrieb
  • Starten von Community-Projekten (Lüftungsanlage, Automatisches Ablesen der Zählerstände, …)

Hier der Link zu den Community-Projekten – wir freuen uns über alle, die sich mit voller Energie in das Thema einbringen.

Bei den Makers in München

Die Umbaupläne für das ZAM sind seit Juli eingereicht und die Planungen für die Innengestaltung laufen. Seit einer Weile trifft sich einmal wöchentlich die Planungsgruppe Gestaltung zum Austausch über Mobiliar, Werkstattausstattung, Leitsystem. So viel wie möglich selber machen, ist dabei unser Leitgedanke. Blicke über den eigenen Tellerrand helfen herauszufinden, was gewünscht, praktikabel und gewollt ist und was eher nicht. Und natürlich sind wir neugierig und wollen wissen: Wie machen es andere Makerspaces, Coworking Labs, Werkstattinitiativen? Nach unserem Besuch im Juli im Heilbronner Science Center und dem dortigen Makerspace haben wir an einem Freitag im Oktober eine Tagestour nach Garching und München unternommen

Der TUM Makerspace am Forschungscampus Garching

Die Wasserstrahlschneidmaschine ist ziemlich beeindruckend, nicht nur was ihre Größe betrifft, auch ihr Einsatzbereich ist es. Denn sie kann mit einem feinen Gemisch aus Wasser und Sand aus beliebigen Materialien – ob aus Stein, Metall, Gummi oder Laptops – saubere und detailgetreue Schnitte machen. Die BMW-Ingenieure „von nebenan“ kämen oft hierher in den TUM Makerspace am Forschungscampus Garching und nutzten die Maschine, z. B. für die Entwicklung von Prototypen, erklärt Stephan Augustin, Industrial Designer Research & New Technologies bei BMW, Erfinder des „Watercone“ und Entwickler des „curfboard“. Stephan gibt uns an diesem Vormittag einen umfassenden Einblick in den 1.500 qm großen Makerspace, der zur gemeinnützigen UnternehmerTUM GmbH gehört und 2019 einen zweiten High-Tech-Ableger mit dem Munich Urban Colab in der Freddy-Mercury-Straße ausgegründet hat.

Das Colab werden wir am späteren Nachmittag noch besuchen. Hier wie dort sind auf großzügigen Grundrissen – in Garching ein-, in der Stadt zweigeschossig – hypermoderne Gebäude entstanden, die ihre Werkstätten für Holz, Metall, Elektronik und Textil umfassend mit Maschinen und Technologie ausgestattet haben. Das unterscheidet uns schon einmal grundlegend, denn das ZAM muss sich aus dem Bestand entwickeln, das Innere sozusagen der Hülle folgen. Damit sind wir dem Haus der Eigenarbeit näher, auch das werden wir später noch besuchen. In Garching staunen wir ob der Hochwertigkeit der Maschinen: Da steht z. B. nicht nur ein Lasercutter, sondern gleich drei nebeneinander und dann auch gleich die High-End-Version. In der Metallwerkstatt treffen wir auf einen geschäftigen Mittfünfziger, der an der CNC-Fräse Carbonflügel für ein Modellflugzeug schneidet – das fertige Modell wird ein Geburtstagsgeschenk für seine Tochter, die Wettbewerbe fliegt und alle zwei bis drei Jahre einen neuen Flieger benötigt, natürlich jeweils auf neuestem Stand der Technik.

In der Holzwerkstatt blickt man bei der Arbeit an der Oberfräse direkt ins Grüne durch die geschosshohen Fensterflächen. Alles hier wirkt licht, groß und weitläufig, die Maschinen sind über den Raum verteilt, personalisierte Maschinenzugänge verhindern, dass nicht eingewiesene Personen sie eigenständig bedienen können. Auf unsere Rückfrage zur Zielgruppe erklärt Stephan, dass der Makerspace ambitionierte Studierende ebenso anspreche wie Professionals, Kunstschaffende ebenso wie Selbstständige. Ein klarer Fokus liege dabei auf dem Start-Up-Gedanken, das sei schon in der Zugehörigkeit zur UnternehmerTUM GmbH begründet.

Die Hall of Fame in Gestalt eines Regals mit den Exponaten erfolgreicher Gründungen zeigt dann auch ein breites Portfolio: von Flixbus über die Trend-Trinkflasche air up® bis zu ProGlove, einem Handschuh mit integriertem Barcode-Scanner, zeitsparend eingesetzt in der Logistik für das massenweise Scannen von Produkten, sind hier schon eine ganze Reihe von Produktenwicklungen auf die weltweiten Absatzmärkte gebracht worden. Vielfach werden im Makerspace auch Firmenveranstaltungen abgehalten, über ein bis zwei Tage; dann seien die Werkstätten für die Mitglieder auch schonmal nur eingeschränkt nutzbar.

Das HEi – Haus der Eigenarbeit

Nach diesen ersten Eindrücken verabschieden wir uns und steigen in die U-Bahn Richtung Innenstadt. Gleich nach der Mittagspause heißt es dann: Heieiei … Im Haus der Eigenarbeit, kurz: HEi, hat man doch glatt vergessen, dass wir für heute angemeldet waren. Nach kurzer Irritation werden wir dann aber umso auskunftsfreudiger von den Mitarbeitenden durch das Haus geführt, das es seit Mitte der 1990er Jahre an ebendieser Stelle gibt und das wirklich ein ganz echtes Haus mit Erdgeschoss, Obergeschoss und Keller ist. Wer schon einmal im Hiša eksperimentov, dem Haus der Experimente in Ljubljana war, fühlt sich unwillkürlich daran erinnert.

Haus der Eigenarbeit

Das HEi wird wie das ZAM getragen von einem Verein und gefördert durch die anstiftung sowie durch die Stadt München, die außerdem über ihr städtisches Beschäftigungs- und Qualifizierungsprogramm auch einen Großteil der im HEi zurzeit über 30 Beschäftigten fördert. Im Selbstverständnis des HEi heißt Eigenarbeit „Produktiv tätig werden im eigenen Auftrag und zum eigenen Nutzen“. Angesprochen sind alle Menschen und im Kern geht es um das Entwickeln und Üben von praktischen Fähigkeiten. Dies geschieht in der Holzwerkstatt, an die eine kleine Werkstatt zum Schweißen angegliedert ist, ebenso wie im Obergeschoss, wo es einen Multifunktionsraum gibt, in dem Lötarbeiten, aber auch Tanzkurse stattfinden können. In einer abgetrennten Raumecke ist eine kleine Sattlerei und Polsterei untergebracht. Folgt man einem schmalen, verwinkelten Gang, gelangt man in das Repair Cafè. Im Keller befinden sich eine große Töpfer- und Keramikwerkstatt sowie die Schmuckwerkstatt und das Fotolabor. Eine größere Papierwerkstatt, in der eine Buchbinderin regelmäßig Kurse anbietet, grenzt direkt an.

Überhaupt Kurse: Das HEi setzt viel auf Angebote für Kinder und Jugendliche und macht damit gute Erfahrungen, ob in der Holzwerkstatt oder beim Töpfern. Insgesamt ist hier viel möglich, auf begrenztem Platz; jeder Winkel wird genutzt, stellenweise vermeint man ins Materialchaos zu blicken, doch alles hat seine Ordnung. Das HEi wirkt wie der Gegenentwurf zum High-End-Makerspace in Garching, hier hat die Digitalisierung egal in welchem Bereich scheint’s noch wenig Einzug gehalten; auch die Öffnungszeiten sind wesentlich reduzierter. Es erstaunt uns, wie wenig los ist, obwohl das Wochenende doch vor der Türe steht. Wir fragen nach und bekommen wie auch schon in Garching zur Antwort, dass immer noch deutlich weniger Besucher:innen als „vor Corona“ kommen. Die Lücke, die die Pandemie gerissen habe, sei noch längst nicht wieder geschlossen und man überlege sich aktuell Maßnahmen, um dem entgegenzuwirken. Beim Bürger:innenfest vor Kurzem sei man schon aktiv geworden.

Das Munich Urban Colab

Nach einer abschließenden Kaffeepause (der Kuchen auf der Theke war leider für den Geburtstag eines Kollegen reserviert) machen wir uns auf den Weg zu unserem nächsten Termin. Das Munich Urban Colab in der Freddie-Mercury-Straße 5 ist die jüngste Ausgründung von UnternehmerTUM zusammen mit der Landeshauptstadt und 2019 an den Start gegangen.

Munich Urban Colab

Wir werfen einen Blick in die umfassend ausgestattete Textilwerkstatt, in dem die Werkstattleiterin einer Teilnehmerin gerade Tipps an der Ledernähmaschine gibt. Auch in diesem Space werden in- und außerhalb der Werkstätten Co-Working und die Start-up-Mentalität groß geschrieben, darüber hinaus sind es qualifizierte Trainer:innen, die den Mitgliedern Unterstützung bei ihren Projekten anbieten. An die Textilwerkstatt grenzen zwei Labore für IoT und Robotik – gegenüber können sich Unternehmen auf Zeit in abgetrennten Workspaces einmieten. Im Elektroniklabor herrscht penible Ordnung, ein Bestückungsautomat harrt der Leiterplatten für Protoypen, die da kommen mögen. Im Erdgeschoss des Colab arbeitet ein 2-Mann-Team an der Weiterentwicklung eines Prototypen für ein modulares Containerschiffkonzept, das ohne fossile Brennstoffe mit einem Kite-System unter Nutzung der Windkraft angetrieben werden soll.

Die WerkBox3

Letzter Halt an diesem Tag ist schließlich die Werkbox3 und das ist noch einmal ein besonderes Highlight. Hier haben wir vorab keinen Termin vereinbart, das macht aber rein gar nichts. Wir werden freundlich empfangen und man nimmt sich knapp zwei Stunden Zeit für uns.

Die WerkBox3 wird von einem gemeinnützigen Verein und ausschließlich ehrenamtlich getragen. Das Konzept sieht vor, dass Nutzer:innen einen Lagerort in verschiedenen Größen (von einer größeren Kiste bis hin zu einem ganzen Raum – “Bude” genannt) mieten können und damit Zugang zur Werkstatt bekommen. Alle Lagerboxen und Räume werden von den Nutzer:innen selbst gestaltet, was ein sehr individuelles Bild abgibt. Die Werkstatt wird gemeinschaftlich finanziert. Auf diese Weise erwirtschaftet der Verein Miete, Nebenkosten und Ausstattung komplett selbst, was eine ziemlich tolle Leistung ist, wie wir finden. Vielleicht ist das auch der Grund für die starke Gemeinschaft, die hier sehr spürbar ist – und dass, obwohl während unseres Besuchs nur eine Handvoll Mitglieder vor Ort war. Auf der Strecke bleibt damit leider die Offenheit für externe Interessierte (ohne Mitgliedschaft), denn außer zwei regelmäßigen Terminen, das Repair Café und die Fahrrad Werkstatt, ist die WerkBox3 primär für deren Mitglieder da.

Start in den Makerspace-Besuchstag in Garching:
Chris, Lena, Daniela, Jochen, Heike, Katharina, Conrad, Julian, Anne, Maik (v.l.n.r.)

Fazit von unserem Besuch in Garching und München: Wir haben einen sehr abwechslungsreichen Tag in diesen vier so unterschiedlichen Makerspaces erlebt. Viel gab es zu sehen (und viel zu laufen), wir sind mit den unterschiedlichsten Menschen ins Gespräch gekommen, haben tolle Impulse bekommen und nehmen eine ganze Handvoll Ideen und Anregungen für das ZAM mit nach Hause.

ZAM und Ehrenamt

Du hast Lust dich ehrenamtlich zu engagieren? Auf der neuen Ehrenamtsseite der Stadt Erlangen findest du verschiedene Bereiche, für die wir beim Aufbau des ZAM gut Unterstützung gebrauchen können. Vom wöchentlichen Hausputz über die künftige Werkstattbetreuung, IT-Systemadministration und Softwareentwicklung bis zur Unterstützung bei der Contentproduktion im Bereich Foto und Video sowie auf unseren Social-Media-Kanälen …

… bieten wir ein spannendes Feld, bei dem du deine Neigungen, Fähigkeiten und Interessen in einer aktiven Community einbringen kannst. Einfach auf „Suche dein Ehrenamt“ gehen und im Suchfilter ZAM eingeben.

„Türen auf mit der Maus“ im ZAM

Kleine und große Mausfans aus nah und fern haben sich am Montag, 3. Oktober, zu „Türen auf mit der Maus“ im ZAM getroffen. Fünf Stunden Zeit hatten die insgesamt 120 Besucher:innen Zeit, um bei uns „Spannende Verbindungen“ zu erforschen.

Kleine und große Maus-Fans beim Mauslicht basteln

Maus- und ZAM-typisch konnte an diesen Stationen gemacht, gestaunt, ausprobiert und gelernt werden:

  • Blinkendes Mauslicht aus Filz/Papier basteln
  • Morsen (mit original ZAM Urkunde)
  • Die eigene Stimme sehen
  • Werde Teil eines echten Stromkreises!
  • Schaltung selber löten mit Taster und Leuchtdiode
  • Pilze züchten

Vielen Dank an alle Gäste und Helfer:innen, die zu dieser tollen Aktion und entspannten Atmosphäre im ZAM beigetragen haben. Bis nächstes Jahr beim Maus Türöffnertag!

PS: Einer der Favoriten waren die selbstgebastelten Filzmäuse, die mit einer kleinen LED bestückt werden konnten.

Bericht aus Berlin

Etwas sperrig, der Name: 15. Bundeskongress Nationale Stadtentwicklungspolitik, vom 14. bis 16. September in Berlin. Wir waren dort, und es war viel unkomplizierter als es klingt.

Denn spätestens seit dem Projektaufruf Post-Corona-Stadt, in dessen Folge sich mittlerweile 17 große und kleine Projekte in ganz Deutschland damit beschäftigen, wie Städte resilienter werden können (darunter wir in Erlangen), gibt es ein Gegengewicht zu abgelesenen Grußadressen und politischen Willensbekundungen: In Form von konkreten Beispielen für „Stadtentwicklung durch einfach loslegen“ aus den Post-Corona-Städten.

Gleich am ersten Tag kamen die Post-Corona-Stadt Projekte unter dem Motto „Testfeld Straße“ zusammen. Moderiert von Cordelia Polinna stellte zunächst Anna Bernegg (beide Urban Catalyst Berlin) einführende Thesen zu neuen Chancen für den öffentlichen Raum vor. Stichworte: Pop-Up als vitales Prinzip zum Austesten mit vereinfachter Genehmigung, Straße als Lebensraum – und zwar von Hauswand zu Hauswand. Clever der Vorschlag, die Bewegung „weg vom motorisierten Individualverkehr“ nicht als Verlust, sondern als Gewinn an Lebensqualität zu sehen.

Frederik Serroen (vom bouwmeester, Brüssel) sprach dann in seiner Präsentation über nachhaltige Verkehrskonzepte genau das aus, was selbst hier in Erlangen bei der städtebaulichen Debatte in der Luft liegt: „the next big thing is many small things“. Die großen Schachzüge, die in Planungsabteilungen vorbereitet und dann auf die Fläche der Stadt verteilt werden, sind immer schwieriger umzusetzen, und ihre Wirkungen sind immer schwieriger kalkulierbar. Mit „small things“ sind diese temporären Versuche und die parallel zur Genehmigungspraxis laufenden, oft künstlerischen Experimente gemeint, die eine neue Realität aufblitzen lassen. Damit entstehen gemeinsam erlebte Ziele, auf die man sich einfacher verständigen kann als auf abstrakte Beschreibungen.

Und so fielen die anschließenden Kurzpräsentationen der Post-Corona-Stadt-Projekte aus Hamburg, Leipzig und Stuttgart auf einen perfekt vorbereiteten Boden. Sie waren ausgewählt worden, weil in ihnen die Straße (bzw. in Stuttgart die Wasserstraße Neckar) eine besondere Rolle spielt. Kurios: temporäre Straßensperrungen haben in Leipzig für alle Beteiligten eher explosives Potential, während aus Brüssel die Erfahrung kommt, dass sich nach ein paar Wochen spätestens „alle dran gewöhnt haben und Ruhe geben“. Das müsse man aushalten, meint Frederik Serroen.

Wir hätten im Anschluss noch lange in kleinen Gruppen zusammenstehen und gemeinsam über Gemeinsamkeiten und Unterschiede unserer Projekte reden können. Doch das Programm eilte weiter, die Berliner Bürgermeisterin kam noch, und der Senator für Stadtentwicklung. Spannender war es dann, Naherkundung zu machen rund ums Gleisdreieck, an dem er Tagungsort lag. Dort liegen für uns interessante Projekte wie das „urban ideation lab“ b-part, ein geförderter Neubau aus Holz mit Schwerpunkt Co-working. Die Atmosphäre ist sehr busy, so busy, dass man auch gar niemanden zu fassen bekommt, der ein paar Worte zum Hintergrund erklären kann.

Am zweiten Tag des Kongresses gab es eine einprägsame Keynote von Prof. Schellnhuber (Potsdam Institut für Klimafolgenforschung): Saving the world in style. Er hatte noch am Morgen, so sagte er, ein Chart zur Klimaentwicklung fertiggestellt, und zeigte, wie die durchschnittliche Temperatur bis 2100 auf ungesunde plus 2,3 Grad steigt. Dann aber wieder abgesenkt werden kann, wenn die Bauwirtschaft sich radikal weg vom Beton und hin zum Holz bewegt. Konkret: wenn die vier Milliarden Behausungen, die seiner Annahme nach in diesem Zeitraum zu schaffen sind, als hölzerne CO2 – Senken wirken.

Später am Infostand von Immovilien, einem Verein, der gemeinwohlorientierte Immobilienentwicklung erprobt, tut sich wieder die schon angesprochene Vielfalt der „bottom-up“ Ansätze auf. Es ist möglicherweise auch für das ZAM interessant, hier Mitglied zu werden, denn wir bewirtschaften die Greiner-Immobilie.

Spannendste Diskussion des Tages: Digitale Zwillinge, also die Modelle von Städten im virtuellen Raum, gebildet aus den Daten, die Städte schon haben und zukünftig sammeln. Sie werden genutzt, um Klimaentwicklung zu simulieren, oder Verkehrsströme. Vieles mehr. Digitale Zwillinge könnten eine höhere Anschaulichkeit in Vorhersagen bringen, und damit Planungen für die Zukunft (die StUB, die verkehrsberuhigte Innenstadt?) auf plausiblere Beine stellen.

Tag drei brachte eine engagierte Führung von Leona Lynen (Werkstatt Haus der Statistik) durch die Baustelle dieses Modellprojekts am Alexanderplatz. Es ist das ZAM x 10, inklusive Wohnungen und Flächen für die Senats- bzw Finanzverwaltung. Also der Mix von ganz unterschiedlichen Nutzungen, in großer Nähe zueinander. Man spürt eine hohe Professionalität, und gleichzeitig die Lust am Experiment. Während die großen Baufirmen der Republik beginnen, die entkernten Gebäude flott zu machen, treffen wir im labyrinthischen Haus der Materialisierung auf Textil- und Fahrradwerkstätten, Materialrecycler, Leihläden und kommen wir an provisorischen Arbeits- und Versammlungsräumen vorbei. Definitiv ein Ort zum Wiederkommen: Fertigstellung soll 2024 sein.

Bericht: VOW SommerCamp

Es folgt ein Bericht vom Sommercamp des Verbunds offener Werkstätten (VOW), in GutAlaune und dem Eigenbaukombinat bei bzw. in Halle an der Saale:

Das GutAlaune bei Halle (Saale)

Wir, Lena, Julian und Axel, sind vom 25. bis zum 28. August auf das Sommercamp des VOW gefahren und haben uns dort mit rund 30 anderen Teilnehmer:innen aus offenen Werkstätten, dem VOW und der Anstiftung unterhalten und ausgetauscht. Den Anreisetag und folgenden Freitag haben wir auf dem GutAlaune mit Workshops, einer Kurzfilmvorführung (“Aufstand der Dinge”*) und einer Vorstellung des ZAM verbracht.

Einer der Workshops drehte sich um Herausforderungen in Gemeinschaftswerkstätten, wozu das GutAlaune im Rahmen eines geförderten Reallabors Forschung betreibt. Weitere infos dazu findet ihr auf https://www.reallaborgutalaune.de.

Bei einem weiteren ging es um die Konstruktion, Berechnung und Hürden beim Bau eins Domzeltes mit 6 Meter Durchmesser aus Bettlatten vom Sperrmüll. Passenderweise wurde der Workshop vom Heart of Code Hackerspace in einem solchen Zelt abgehalten.

Domebau mit Hearts of Code

Am Samstag ging es nach Halle zum Eigenbaukombinat (EBK), einem Makerspace mit 700qm und einem gräumigen Garten. Spannend ist deren Struktur: alle Bereiche (Hackerspace, Video- und Tonstudio, VR- und Foto, Töpfern und Siebdrucken, Handarbeit, Modellbau, Holzwerkstatt, Metallwerkstatt, Fotolabor usw.) organisieren sich eigenständig in Gruppen mit eigenem Budget und Kasse. Diese müssen aber auch schauen, dass ihr Bereich jeweils alle Unkosten wieder einbringt oder sich selbst um Förderung bemühen. Ihr Fokus liegt ganz klar auf Mitgliedern, welche sich lange engagieren und nicht nur ein Projekt machen und dann wieder verschwinden. Solche Nutzungen versuchen sie zu vermeiden, um den Betreuungsaufwand gering zu halten. Mit ihrem Mitgliedsbeitrag von 24 Euro pro Monat (18 E/m ermäßigt) decken sie gerade so ihre warm Miete.

Außerdem wurden zwei Workshops abgehalten: zum einen zu FabAccess, was bei uns mal das SeZAM ersetzten könnte und auch bei Maschinen zum Einsatz kommen soll. Sowie zu CoWiki, einem geförderten Projekt der Urbanisten und des Tinkertank, mit dem Ziel zu einem einheitlichen Standard für Einweisungen in offenen Werkstätten zu kommen. Mehr Infos dazu unter https://dieurbanisten.de/urbanisten-projekt/cowiki/

Beide Projekte der Workshops sind sehr spannend für das ZAM, da wir so auf KnowHow und Erfahrungen anderer zurückgreifen und unseren Input auch miteinfließen lassen können. Die Hoffnung ist, damit ein nachhaltiges “Ökosystem” für freie Zugangssysteme und Maschineneinweisungen zu schaffen.

Im Eigenbaukombinat gibt es übrigens auch ein eigenes Inventarsystem, welches unter https://dinge.eigenbaukombinat.de/ eingesehen werden kann. Hier werden wir uns deren Entwicklung ansehen und schauen, ob dies mit unserem zusammengeführt werden kann, um sich den Entwicklungsaufwand zu teilen.

Der Sonntag wurde von Aufräumen, Aufbrechen und einer Abschlussrunde dominiert, aber es wurde auch noch ein Workshop zu Playfight angeboten, gehalten von der zukünftigen Community Managerin des VOW.

Abschlussbild

Wir haben viele weitere Eindrücke und Ideen mitgenommen, welche diesen Bericht sprengen würden. Sprecht uns gerne darauf an.

Es grüßen
Julian, Lena und Axel

Im weiteren anstehende Veranstaltungen zur Vernetzung:

Interesse mitzukommen? Sprecht uns an.

* wenn Interesse besteht, können wir die Macher:innen für eine Vorführung des Kurzfilms zu uns einladen.

Mehr als ein Schulterblick

Mit dem Bildungsstrand, an den wir Vertreter:innen von Bildungseinrichtungen zum Kennenlernen unserer Räume und Zukunftspläne eingeladen hatten, ging nach sieben Tagen das erste ZAMstival zu Ende. Seit der Eröffnung am 6. Juli 2022 waren wir oft bis weit in den Abend Gastgeber und Drehscheibe für Entdeckungen und Erlebnisse mitten in der Altstadt. 

Am Eröffnungstag stand das Kreationsregal und alle, die es mit ihren Werken bereichert haben, im Mittelpunkt. Das hat so viel Spaß gemacht, daß wir dieses Format vierminütiger Kurzpräsentationen eigener Werke in Zukunft regelmäßig anbieten wollen.

In den folgenden Tagen ging es um praktische Anleitung, etwa bei der Computersprechstunde mit Richard Scholl vom Seniorennetz oder beim Myzel-Workshop mit dem Fungarium, aus dem das kleine Einmaleins der Pilzzucht quasi im Eimerchen mitzunehmen war. Wir beleuchteten Hintergründe, etwa wenn Julian Hammer über die Software aus dem ZAM sprach, die uns nicht nur hilft, die Türe mit dem Smartphone zu öffnen, sondern die auch die Schrauben und Muttern aus dem Ex-Greiner im zukünftigen Werkstatthaus verwalten hilft. Bei Alex Tafels Einführung ins Do-It-Yourself Bierbrauen lag der Malzgeruch schon fast in der Luft. Und Jürgen Weigert erzählte die Entwicklung der ersten mechanischen Rechenmaschine vor vierhundert Jahren wie einen spannenden Krimi, der geradewegs an den Lasercutter unserer Tage führt. Denn dort können sich alle Neugierigen dank seiner Open-Source-Nachbauanleitung mit diesem Geistesblitz des Astronomen Wilhelm Schickard aus den Jahren um 1623 vertraut machen – bis ins letzte Zahnrad. Dank Kooperation mit Edwin Aures, dem Leiter der bedeutenden Informatiksammlung ISER an der FAU, stand ein mittlerweile selbst historischer erster Nachbau dieser Rechenmaschine bei uns, aus der Zeit um 1960. Neben weiteren spektakulären Exponaten.

Ist Machen gut?” – Moderiert von Rolf Klug (Verbindung der Welten), einigte sich ein kleiner Kreis gleich am zweiten Abend darauf, daß das Machen dann auf einer guten Spur ist, wenn Freude und Liebe zur Sache dabei ist. Und daß es einen Unterschied macht, ob ein Prototyp entsteht oder eine Großserie. Makerspaces sind Lernorte für die ganze Gesellschaft, weil dort nicht die Logik der Masse, sondern die Logik des Unikats herrscht. Einer meinte, daß er in solchen Umgebungen häufig persönliche Momente blitzartiger Erkenntnis erlebt, die ihn nachhaltig beeinflussen. Denn wo viel experimentiert und gespielt wird, da sieht man auch mehr, auf das man schon lange unbewusst gewartet hat – bis es dann eines Tages „klick“ macht.

Überhaupt, die Faszination von Maschinen und Konsolen und Software: Dank der Nerds (im positivsten Sinne!) von Bits’n’Bugs, dem lokalen Ableger des Chaos Computer Clubs, lief bei Digital Vintage jede Menge liebevoll gehegte und gepflegte “antike” Gaming Software von der MusiCassette oder Floppy-Disk. Ganz zur Freude auch der jüngsten Besucher, die auf diese Weise Bekanntschaft mit einem noch sehr grobkörnigen Super Mario aus den Neunzigern machen konnten.

Wenn die Halbwertszeit des (Fakten-)Wissens sinkt, wie manche behaupten, steigt der Wert des Experiments und des spielerischen Ausprobierens. Deswegen hieß es am Sonntag “Wir spielen den ganzen Tag!”. Da waren kunstvolle Spiele aus der Spiele-Entwickler-Gruppe um Monsieur Bernard auf dem Spieltisch, nicht nur selbst erdacht, sondern auch selbst gemacht. Fast ungeplant entstanden daneben so praktische Spielzeuge wie ein Rauchringgenerator und eine Indoor-Minigolf-Station.

KNOW HOW TEILEN MACHT STÄDTE STARK stand über der offenen Gesprächsveranstaltung am Montagabend, 11. Juli, die den Besuch der Fördergeldgeber aus Bonn und Berlin abrundete. Mit dem Post-Corona-Stadt-Projekt haben wir es vor einem Jahr geschafft, über vierzig Ideen zu sammeln, wie große und kleine Krisen in der Stadt besser überwunden werden können. Heute sind daraus über zwanzig (Teil)Projekte erwachsen, die von der Nationalen Stadtentwicklungspolitik und der Stadt Erlangen gefördert und von uns im ZAM unterstützt werden. Die meisten davon waren während des ZAMstival in der gleichnamigen Ausstellung zu sehen, viele der Initiatorinnen und Initiatoren waren selbst anwesend.

Von der grünen Oase vor unserer Tür bis zu Rikschas als ungewöhnliches Set für Gespräche mit schwer zu erreichenden Bürgern, von der Leerstandsanalyse zum Wohl der freien Kunstszene bis zum selbstgebauten vernetzten Umweltsensor: Die Stadt wird auf vielen Ebenen weiter gedacht und weiter gebracht. Ganz im Sinne des Grußwortes von OB Janik, der herausstellte, daß die Herausforderungen aus dem strukturellen Wandel in der Stadt Gemeinschaftsaufgaben sind, bei denen Verwaltung, Politik und die Bürgerinnen und Bürger in neuer Weise zu Kooperationen finden müssen. Er meinte dabei durchaus das Projekt ZAM als Ganzes, das bundesweit beispielhaft ist.

Die Kooperationspartner für solch einen Prozess waren durchweg vertreten: Neben Andrea Jonas vom BBSR (Bundesinstitut für Bau- Stadt- und Raumforschung), Anna Bernegg und Julia Klink von der Agentur Urban Catalyst, die das Projekt auf Bundesebene betreuen, waren die Spitzen der Erlanger Kulturverwaltung und Stadtplanung sowie der Wirtschaftsförderung im Haus, und viele der angesprochenen Aktiven und am Stadtleben Interessierten. Das Ergebnis des Abends: Experimentierklauseln und Ausnahmeregelungen sind wertvolle Instrumente, um Prototypen „auf die Straße“ zu bekommen. Dann kann es über gemeinsame Erlebnisse zu einer neuen Kultur der Ko-Kreation auch bei der Stadtentwicklung kommen.

Vieles mehr ist passiert in diesen sieben Sommertagen – wir haben musiziert, getanzt, neue Gesichter begrüßt. Und auch bekannte: Ingo Di Bella, Initiator des Nürnberg Digital Festivals, war mit seinen Kindern am Spiele-Sonntag zu Besuch. Für den Schreiber dieser Zeilen war es ein déjà-vu – ziemlich genau vor drei Jahren standen wir ein paar hundert Meter weiter südlich in den Räumen des alten Landratsamtes zusammen, in einem „temporären urbanen Experimentierraum“ namens ex-Teppich. Und alle träumten davon, eines Tages eine feste Adresse fürs Austauschen und Machen in Erlangen zu haben …

Fotos: Conrad Hesse, Jochen Hunger, Maik Musall, Katharina Zeutschner

Projektflächen

Die Projektflächen sind wieder eröffnet! Das bedeutet, dass ihr die Erdgeschosszone des ZAM für eigene Projekte verwenden könnt. Dazu stehen euch folgende Angebote offen:

  1. ein eigener Arbeitsplatz
  2. ein Kiste im Präsenzlager
  3. ein Regalfach im Überlauflager

Die Nutzungsbedingungen sehen wie folgt aus:

Eigener Arbeitsplatz

Dein Projekt bekommt einen festen Arbeitsplatz auf der Projektfläche im EG. Das Projekt muss im Wiki dokumentiert werden, damit auch andere etwas von deinem Projekt haben. Da dir dieser Platz exklusiv zusteht, soll er mindestens wöchentlich genutzt werden.

Kiste im Präsenzlager

Das Präsenzlager befindet sich im hinteren Bereich des EG vom Südhaus, dort wo es auf den Innenhof bzw. zu den Toiletten geht. Um dort etwas zu für den schnellen Zugriff zu lagern, kannst du eine ZAM-Eurokiste bekommen. Es wird ein monatlicher Zugriff vorausgesetzt.

Regalfach im Überlauflager

Zwei Etagen über dem Präsenzlager gibt es das Überlauflager. Dort können weitere, monatlich genutzte Sachen gelagert werden. Hierfür werden keine Kisten bereitgestellt, ihr müsst euch hier also selbst organisieren. Dafür bekommt ihr ein ganzes Regalfach.

Grundsätzlich gilt:

Wenn dein Projekt abgeschlossen ist oder inaktiv wird, räumst du deinen Arbeitsplatz oder Lagerplatz selbstständig.

Falls wir das für dich machen müssen (z.B. weil zu lange Inaktivität herrscht und wir dich nicht mehr erreichen können), werden die verbleibenden Sachen vom Verein übernommen, verschenkt oder entsorgt.

Es kann Situationen im Umbau geben, wo der Verein den Lagerplatz oder Arbeitsplatz abbauen muss. Wir bemühen uns, solche Einschränkungen zu minimieren und euch frühzeitig vorzuwarnen.

Sonderabsprachen sind individuell möglich, z.B. wenn etwas nicht in Eurokisten passt, ihr unerwartet verhindert seit oder euer Projekt besondere Bedürfnisse und Anforderungen hat. Wir finden dann gemeinsam Lösungen und lernen für die zukünftige Nutzung des ZAM.

Jochen, Conrad und Julian könnt ihr bei Fragen vor Ort ansprechen oder euch an uns per Email wenden: kontakt@betreiberverein.de.